Finanzkrise.
Eigentlich ist ein Finanzsystem ja ziemlich simpel.
Da gibt es einerseits das Geld der Notenbanken das aus einer Liqiditätsreserve und dem Geldumlauf besteht der notwendig ist, den gesamten nationalen Güter- und Leistungsbedarf zu bezahlen. Das kann echtes Geld genannt gewerden,
Andererseits gibt es eine Art Pseudogeld in Form von Forderungen (und Verbindlichkeiten), das immer mit dem echten Geld vermengt und darum nicht ohne weiteres erkennbar ist.
Pseudogeld ist dadurch gekennzeichnet, daß der reale Wert unbestimmt ist weil der Zahlungsausgleich vereinbarungsgemäß erst in der Zukunft erfolgt. Es sind Versprechungen!
Seit es "Finanzprodukte" gibt (die gar nichts produzieren) wird alles in Pseudogeld verwandelt was verpfändet und gehandelt werden kann: Immobilien, Aktien, Ernten die noch auf den Feldern stehen oder noch nicht einmal gesät worden sind, Erdöl das noch nicht gefördert wurde etc. etc. Mit allem wird gehandelt.
Der Marktwert dieser Gegenstände ändert sich oft ganz irrational. Wenn man Geschäfte damit macht, rechnet man immer mit einer zukünftigen Entwicklung. Die Geschäfte können aber so gestaltet werden, daß man bei steigenden oder fallenden Preisen profitiert.
Für Spekulanten stellt sich immer die Frage, was in der Zukunft passiert. Die professionellen Spekulanten - das waren fast alle großen Banken und Kreditversicherungen - haben natürlich wieder "professionelle" Mathematiker engagiert, die aus den Vergangenheitsdaten die Zukunft vorhersagen sollten. (Das wird auch in anderen Wissenschaftszweigen gemacht).
Das hat dieses Mal nicht funktioniert. Es kam zu einer gewaltigen Finanzkrise.
Das könnte uns eigentlich kalt lassen weil es ja keine Zerstörungen wie bei einem Erdbeben gegeben hat. Hier kommen die Verbindlichkeiten ins Spiel, die es ja bei Forderungen auch gibt weil Banken gar nicht so viel Eigenkapital haben um alle Geschäfte für eigene Rechnung zu machen - sie haben durchschnittlich nur 8% der Bilanzsumme - 92% gehören nicht ihnen, sondern ihren Kunden. Und das kann echtes und auch Pseudogeld sein.
Der Staat mußte einspringen, um wenigstens das echte Geld zu retten.
Aber er muß jeden Euro den er ausgeben muß, zurückholen und wenn es 10 Jahre dauert!
Und natürlich darf es keine Abschreibungen geben wegen Vermögensminderung. Die Steuerbasis muß das operative Ergebnis sein!
Vielleicht habe ich mit dem "simplen Finanzsystem" etwas untertrieben, was jetzt kommt ist nicht ganz so einfach, aber auch verständlich.
Durch Erwartungen und Versprechungen kann also fast beliebig viel Pseudogeld und damit ein Inflationsrisiko geschaffen werden. Das besteht aber auch durch die 4,5 Billionen Geldvermögen das ja Zinsen tragen soll. Staatsschulden, die durch Ausgabe von frei verkäuflichen Schuldverschreibungen entstehen, bergen dieses Risiko nicht weil dadurch die Geldmenge nicht vergrößert wird.
Die Wirtschaft gerät von Zeit zu Zeit in Krisen, wo die relative Wertlosigkeit des Pseudogelds offenbar wird. Die erste Folge ist dann allgemeines Mißtrauen, die zweite Folge sind hohe Zinsen für Bankenschuldner mit gleichzeitig niedrigsten Refinanzierungszinsen für Banken. Das wirkt wie ein Betonklotz auf auf der Fahrbahn der Realwirtschaft. Kann der Staat den Klotz wegschieben, indem er neue Schulden macht um die Wirtschaft zu stützen? Das kommt darauf an...
Er könnte ja einfach neues Geld drucken um den Kreditstau zu umfahren. Wenn das nur zu diesem Zweck geschieht und die Inflationsrate wie der Außenwert der Währung sorgfältig beobachtet wird, ist es auch nicht sehr gefährlich. Statt Schulden zu machen und Zinsen zu zahlen, wird Geld verliehen das es gar nicht gibt und Zinsen eingenommen. Im Gegensatz zum Pseudogeld ist das "neue Geld" kontrollierbar und kann wieder eingestampft werden bevor eine Inflation entsteht.
Wie bei vielen Bankgeschäften ist es ein Wechsel auf die Zukunft. Gedeckt sind die Darlehen allein durch die Forderungen die sie selbst erzeugen. Man muß allerdings sichere Schuldner finden, die Darlehen fristgerecht zurückzahlen.
Der sicherste Schuldner ist der Staat, darum muß das System etwas anders konfiguriert werden: Nicht der Staat tritt als Verleiher auf, sondern "unabhängige" Notenbanken. Die schöpfen das Geld aus dem Nichts und leihen es dem Staat. Die Zinsen die sie dafür einnehmen liefern sie als Gewinn an den Staat ab, der somit nur Zinsen an sich selbst zahlt. (Auch ein geniales "Finanzprodukt", solange Mißbrauch ausgeschlossen ist.)
Damit könnte vorübergehend sogar eine Steuersenkung finanziert werden. Aber um ehrlich zu bleiben, müssen die Konten irgendwan ausgeglichen werden.
Ich weiß nicht, ob und in welchem Umfang das in Europa praktiziert wird. Über Interna der Notenbanken erfährt man praktisch nichts. Finanzsysteme sind natürlich von Menschen gemacht und keine unverletzlichen Naturgesetze. Ihre Basis ist allein das Vertrauen in den Kaufwert der Währung. Wenn das verspielt wird, müssen wir abermals durch eine Währungsreform von vorn anfangen. Verantwortlich ist die Finanzpolitik, die die die Mitte zwischen Prinzipienreiterei und Sorglosigkeit finden muß.
16.11.2009: Heute habe ich wieder eine Radiomeldung zu dem Thema gehört: In dieser Finanzkrise hat der Staat nicht nur Bürgschaften übernommen. Auch Geschäftsbanken haben von dem billigen, aus dem Nichts entstandenen Geld etwas abbekommen damit sie es der nationalen Wirtschaft als Kredit zur Verfügung stellen. Teilweise wird es aber dazu verwendet, an den Finanzmärkten schon wieder zu spekulieren. Wenn es dabei Gewinne gibt, würden zwar auch wieder Steuern fließen - nachdem die Verluste getilgt sind - aber nur dann! (Einige wissen schon, wie man das vermeidet - indem man man unendlich lange Verluste schreibt.)
Warum sind wir nur so dumm, Steuern von der Vermögensänderung abhängig zu machen?
Wie der Kapitalismus zu retten wäre.
Unter diesem Titel ist gerade ein Artikel in "DIE ZEIT" erschienen (19.11.09). Der schweizerische Sozialwissenschaftler Roger de Weck hat ein Buch geschrieben in dem er nach Alternativen sucht. Er kommt zu der Erkenntnis: Mehr Demokratie in der Wirtschaft, dann braucht man keine Planwirtschaft.
Unter diesem Motto könnte auch dieses Steuersystem stehen. Die drei Vorschaltkonten für Unternehmen und die demokratische, innerbetriebliche Abstimmung über die Verwendung des Firmengeldes, wie auch die ganz andere Behandlung von Investitionen, sind Wege zur praktischen Umsetzung!
Bleibt uns keine andere Wahl als zu zu produzieren und zu konsumieren auf "Teufelkommraus" und Geld zur einzigen Lebensgrundlage zu machen? Wenn das so wäre, wäre ein Drittel der Menschheit schon verhungert denn statistisch leben die von weniger als 2 Dollar pro Tag. Selbstversorgung zählt offenbar überhaupt nicht mehr, weil es sie in den "entwickelten" Ländern nicht mehr gibt oder nicht mehr erwähnt wird.
Im kapitalistischen System soll jeder Mensch nur kaufen können was er braucht, denn nur zum Kaufen braucht man Geld. Aber das System hat weder das Recht, noch die Macht, jemand zu zwingen. Wir machen das, weil es bequemer ist. Lieber 8 Stunden am Fließband arbeiten, als Landwirtschaft zu betreiben. Das machen ja andere, die wir dafür bezahlen. Das System der weltweiten Arbeitsteilung ist zwar leistungsfähiger als eine separate Nationalwirtschaft, es macht aber alle von allen abhängig und zwingt uns zu einer systembedingten Lebensweise auf die wir kaum noch Einfluß haben.
Praktisch ist heute der Geldumlauf das Maß aller Dinge. Leider basieren auch Steuersysteme auf dem Geldumlauf denn sie sind für diese Zeit gemacht. Vor der Industrialisierung, als es noch keine Arbeitermassen mit Steuerkarte gab, war die Steuererhebung aber auch nicht angenehmer und gerechter.
Besteht das größte gesellschaftliche Problem - das schon tausendfach behandelt wurde - nicht einfach in der Tatsache, daß nur eine winzige Minderheit praktisch alles bestimmt? Die Mehrheit, die die Produktionsarbeit machen muß, wird getrieben oder fallengelassen wie es der Minderheit paßt. Die wiederum wird auch getrieben: durch Geldgier! Das Geld wäre aber nichts wert, wenn die Produktion ausbleibt. Wenn wir das an sich bequeme Geldsystem erhalten wollen, müssen wir Geld nur gerechter verteilen. Aber nicht von oben herab sondern "auf Augenhöhe"!